Der Dirigent, der nicht mitspielte
     

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Matthias Sträßner

Der Dirigent, der nicht mitspielte

Leo Borchard 1899–1945

Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Reihe A: Analysen und Darstellungen [9]

529 Seiten, 95 Abb., 158 x 235 mm, Festeinband mit Schutzumschlag, ca. 95 Schwarzweißabbildungen
Juli 2017
ISBN 978-3-86732-272-0
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Am 26. Mai 1945 gibt Leo Borchard als frisch ernannter Chefdirigent des Berliner Philharmonischen Orchesters sein erstes Konzert im Berliner Titania-Palast. Es ist zugleich das allererste Konzert der Philharmoniker nach dem Zweiten Weltkrieg. Sowohl die russischen Besatzer als auch die später in Berlin eintreffenden Amerikaner und Briten huldigen dem sechsundvierzig Jahre alten Dirigenten. Ist in ihm vielleicht schon der Nachfolger Wilhelm Furtwänglers gefunden?
Aber schon das Konzert am 25. August dirigiert Borchard nicht mehr. Amerikanische Soldaten erschießen ihn zwei Tage zuvor, als er in dem Fahrzeug eines britischen Offiziers am heutigen Bundesplatz die Sektorengrenze passieren will. Die Kugeln treffen einen Dirigenten, der sich dem Dritten Reich standhaft verweigert hatte und mit der von ihm und seiner Lebensgefährtin Ruth Andreas-Friedrich gegründeten Widerstandsgruppe »Onkel Emil« vielen Verfolgten helfen konnte.
Matthias Sträßner widmet sich dem »Fall Borchard« aufgrund des unerwartet aufgetauchten Archivs der Schwester des Dirigenten, Margarita von Kudriavtzeff, nach fast zwanzig Jahren ein zweites Mal und deutlich erweitert: Die Geschichte von Leo Borchard ist nicht nur wegen ihres tragischen Endes spannend, sondern gerade auch wegen seines ungewöhnlichen Lebens. In seiner Biographie fokussieren sich die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin und das Dritte Reich auf bemerkenswerte Weise. Und die hundert Tage des Chefdirigenten Borchard zeigen, dass die Nachkriegsgeschichte der Berliner Philharmoniker auch ganz anders hätte verlaufen können…

Matthias Sträßner

Matthias Sträßner

Matthias Sträßner, 1952 in Stuttgart geboren, studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte. Früh musikalisch ausgebildet, verdiente er sich sein Studium als Mitglied im Kammerchor des Süddeutschen Rundfunks (heute SWR Vokalensemble) sowie als Konzert- und Oratoriensänger.

Sträßner promovierte 1980 mit einer Strukturanalyse über Kriminaltechnik im klassischen Drama von Sophokles bis Ibsen. 1987 erschien sein Buch über »Die Ludwigsburger Schloßfestspiele«, deren Dramaturg und Geschäftsfüh­render Direktor er über viele Jahre war. 1985 bis 1989 arbeitete er zusätzlich als Referent des Generalintendanten an den Staatstheatern in Stuttgart und beim Stuttgarter Ballett. Von 1989 bis 2015 leitete er die Hauptabteilung Kultur im Deutschlandfunk.

Neben vielen Rundfunksendungen und Aufsätzen ist Matthias Sträßner auch als Autor von Monographien in Erscheinung getreten, darunter: »Tanzmeister und Dichter. Literaturgeschichte(n) im Umkreis von Jean Georges Noverre« (1994), »Flöte und Pistole. Anmer­kun­gen zu Nietzsche und Ibsen« (2003) sowie »›Erzähl mir vom Krieg!‹ – Ruth Andreas-Friedrich, Ursula von Kardorff, Margret Boveri und Anonyma: Wie vier Journalistinnen 1945 ihre Tagebücher schreiben« (2014).

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